Geschichte und Entstehung des Induktionsherdes

Induktionsherde haben ein Kochfeld, das bei Berührung von metallischem Kochgeschirr induktiv erzeugte Wirbelströme in Gang setzt. Diese sorgen dafür, dass es erwärmt wird. Sie werden, so wie die Technologie der Induktion, heute in aller Welt benutzt. Ihre Funktionsweise ist für wenige Menschen intuitiv verständlich und hat auf manche sogar heute noch eine magische Wirkung. Dabei ist elektrische Induktion keine neue Erfindung. Bereits im Jahr 1831 wurde sie von Michael Faraday entdeckt, der mit ihr die Grundlage für die kommenden elektrotechnischen Entwicklungen legte.

Erste Patente für induktiv funktionierende Herde

Es dauerte jedoch bis zum Anfang des Jahres 1900, dass die ersten Patente für Induktion zum Kochen angemeldet wurden. Damals wurde bereits auf klassischen Elektroherden gekocht, in den Städten begannen sich Gasherde durchzusetzen.

Patent eines Induktionsherdes von 1909

Patent eines Induktionsherdes von 1909Nebenstehend eine Abbildung eines sehr frühen Patentes eines Induktionsherdes aus dem Jahre 1909 zeigt grob das Induktionsprinzip. Eine Drahtspule (S) induziert ein Magnetfeld in den Magnetkern (M). Das Magnetfeld geht durch den Boden des Topfes (A) und induziert Wirbelströme in ihm.

Im Gegensatz zu diesem Konzept nutzt eine moderne Kochfläche elektronisch erzeugte Hochfrequenzstrom.

Foto: en.wikipedia.org

World’s Fair in Chicago 1933

Zur 100-Jahre-Feier der Stadt Chicago, USA, gab es mit der World’s Fair eine große Ausstellung und Messe, die technologische Innovationen präsentierte. Ihr Motto lautete „Science Finds, Industry Applies, Man Conforms“ (Wissenschaft findet, Industrie wendet an, Mensch passt sich an). Hier wurde der Induktionsherd als zukunftsweisende Technologie zum ersten Mal ausgestellt.

Shows quer durch die USA

In den 1950er Jahren wurden die ersten Demonstrationsherde von der Frigidaire Abteilung der Firma General Motors auf Touren durch ganz Nordamerika gezeigt. Um die Bequemlichkeit und Sicherheit des Induktionskochens zu präsentieren und das Publikum zu begeistern, legten die Vertreter eine Zeitung zwischen Induktionskochtopf und Herdplatte, während sie Wasser erhitzten. Das hier vorgestellte Gerät erregte zwar Aufmerksamkeit, wurde jedoch nie in Produktion genommen. Es konnte sich im Markt nicht durchsetzen. Induktion wurde weiterhin verwendet, jedoch ausschließlich in der Industrie und nicht im privaten Bereich.

Neue Entwicklungen in den 1970er Jahren

Der CT2 von Westinghouse aus dem Jahre 1973

„Cool Top 2“ – Foto: en.wikipedia.org

Auch wenn erste Induktionsherde keine Anwendung fanden, ging die Forschung im Bereich der Induktion zum Zweck des Kochens weiter. Zu Beginn der 1970er Jahre präsentierte das R & D Center von Westinghouse Electric Corporation, USA, ein modernes Induktionskochfeld, den „Cool Top“-Induktionsherd. Seine Besonderheit waren die eigenangetriebenen Zündsysteme mit Transistoren für 25 kHz Strom. 1973 entwickelte Westinghouse den „Cool Top 2“, eingeführt von Bill Moreland und Terry Malarkey. Der CT2 gewann verschiedene Preise und wurde von Raymond Baxter in der BBC Serie „Tomorrow’s World“ vorgestellt. Er zeigte, wie man durch eine Eisplatte hindurch mit Hilfe von Induktion Wasser zum Kochen bringen kann. Die von Westinghouse entwickelten Induktionssysteme bestanden aus einem Herd und einer Reihe hochwertigen Kochgeschirrs. Ihr Preis betrug damals 1500 Dollar, was in den 70er Jahren aufgrund des geringeren Einkommens der Menschen eine sehr hohe Summe war. Als 1975 die Westinghouse Consumer Products Division an Weiß Consolidated Industries Inc. verkauft wurde, stoppte die Produktion der Induktionsherde.

Teurer Ausnahmeherd

In den 1980ern nahm die Firma Sears Kenmore einen freistehenden Induktionsherd in ihrem Portfolio auf. Er hatte zahlreiches Zubehör wie eine selbstreinigende Funktion oder eine feste Küchenuhr und war noch teurer als seine Vorgängermodelle.

Stagnation in den USA, Entwicklung in Europa

Die Induktion konnte sich in den USA zu dieser Zeit nicht durchsetzen. Die NASA verwendete die Technologie für ihr Weltraumprogramm, aber für den Konsumenten ist sie nicht überzeugend. Die Induktionsherde dieser Generation waren wenig leistungsfähig, unzuverlässig und produzierten störende Geräusche. In Europa dagegen entwickelte sich die Induktion weiter. 1996 begann die „F & E-Induction III“ der Firma BSH gemeinsam mit der Universität von Zaragoza die Technologie voranzutreiben. Im Jahr 1999 wurde das erste Kompaktklasse-Modell auf den Markt gebracht, der Induktionsherd war hier bereits in den Kochbereich integriert.

Kontinuierliche Weiterentwicklung weltweit

2009 wurde von der Firma Panasonic ein Induktionskochfeld entwickelt, das mit einer anderen Spule und einer höheren Betriebsfrequenz die Nutzung mit nicht metallenem Kochgeschirr ermöglicht. Heute gibt es zahlreiche Anbieter von Induktionsherden auf der ganzen Welt. Der europäische Induktionskochmarkt für Hotels, Restaurants und Lebensmittellieferanten wird in erster Linie von kleineren Anbietern wie Scholl aus Deutschland, Adventys aus Frankreich oder Brackley aus Großbrittannien gedeckt. In Ostasien dominieren japanische und taiwanesische Anbieter. Die angebotenen Geräte haben meistens mehr als 2800 Watt. Sie haben 90 % der Leistung von herkömmlichen Hochleistungsherden und sparen Energie.

Induktionsherde für jedermann

Die neuen Herstellungsmethoden und die Globalisierung tragen dazu bei, dass Induktionsherde heute für den breiten Markt erschwinglich sind. Günstige Fabrikate aus China haben die Kosten für ein eigenes Modell gesenkt. Dementsprechend sind die Verkaufszahlen für Induktionsherde in den letzten zehn Jahren angestiegen. Da diese Art des Kochens sowohl schneller als auch energiesparender als mit herkömmlichen Methoden ist, wird angenommen, dass Induktionsherde auch in Zukunft zunehmend populär sein werden.

Die Geschichte des Induktionsherdes auf einen Blick

  • 1831: Der englische Physiker und Chemiker Michael Faraday (1791-1867) entdeckt die Induktion.
  • Um 1900: Erstmals werden Patente für Induktionsherde angemeldet.
  • 1933: Präsentation des induktiven Kochens auf der Chicago World’s Fair (Weltausstellung und Messe).
  • Mitte der 1950er: Die Frigidaire Abteilung von General Motors stellt in Vorführungen im Rahmen einer Tour durch die USA Induktionsherde und ihre Wirkungsweise vor.
  • Anfang der 1970er: Das R & D Center der Westinghouse Electric Corporation, USA, entwickelt den „Cool Top Induction Range“, einen neuen Typus des Induktionsherdes.
  • 1973 – 1975: Der „Cool Top 2“ wird entwickelt.
  • 1980er: Der von Sears Kenmore angebotene Induktionsherd ist hochpreisig und kann sich nicht als Produkt für die breite Masse durchsetzen.
  • 1996: Neuer Induktionsherd „F & E-Induction III“ wird von BSH in Zusammenarbeit mit der Universität von Zaragoza, Spanien entwickelt.
  • 1999: Das Kompaktklasse-Modell ist auf dem Markt erhältlich.
  • 2000er Jahre: Induktionsherde werden von Herstellern in aller Welt angefertigt. Sie werden durch die Globalisierung und verbesserte Herstellungsmethoden immer erschwinglicher.
  • 2009: Panasonic entwickelt einen Induktionsherd, der mit nicht metallenen Töpfen verwendet werden kann.
  • Heute: Induktionsherde sind unter anderem dank beliebter Fernseh-Kochshows immer bekannter geworden und überzeugen viele Menschen von ihren Vorteilen. Ihre Verkaufszahlen sind in den letzten zehn Jahren gestiegen.

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